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April 2020

Mein Weg in einen „grünen Beruf“, mein Weg in die Landwirtschaft – ein außergewöhnliches Porträt

 

Hallo, ich bin Johanna Grimpe. 27 Jahre alt und komme gebürtig aus Hamburg.
Ich absolviere derzeit meine Ausbildung zur Landwirtin im 2. Lehrjahr und besuche die Matthias-Erzberger-Schule in Biberach. Mein Weg in die Landwirtschaft war ungewöhnlich, da ich keinen landwirtschaftlichen Hintergrund habe. Dennoch bin ich – gerade in der derzeitigen Situation – absolut überzeugt davon, auf dem richtigen Weg zu sein.

Begonnen hat meine schulische Ausbildung nach der Grundschule auf einem Gymnasium in Hamburg. In dem Umfeld, in dem ich groß wurde, hat „man das einfach so gemacht“. Andere Optionen standen gesellschaftlich kaum zur Debatte. Abitur und Studium waren die Norm und das Mindeste. Nach meinem Abitur mit 17 fiel mir die Entscheidung sehr schwer, welchen beruflichen Weg ich einschlagen möchte.

Ich entschied mich zunächst für einen Auslandsaufenthalt in Neuseeland, um im besten Fall mit einer Antwort auf meine Frage der Berufswahl zurückzukehren.
Dass ich ein naturwissenschaftliches und technisches Interesse hege, gerne mit den Händen arbeitete und gerne draußen war, wusste ich zu diesem Zeitpunkt bereits. Trotzdem lag die Idee zu einem „grünen Beruf“ in weiter Ferne. Diese Option war einfach nicht in dem Spektrum dessen, was mir vorgelebt wurde.

In Neuseeland fand ich eine Anstellung in einer kleinen Bekleidungsfirma. Dort wurden Muster genäht und Schnitte konstruiert. Ich begeisterte mich sehr dafür, da mein technisches und manuelles Interesse bei dieser Arbeit gut abgedeckt war. Ich redete mir ein, draußen sei man eben in der Freizeit. Gearbeitet werde drinnen.

Nach meinem Auslandsaufenthalt musste ich mich entscheiden. Ein Studium sollte es sein. Mit Abitur geht man auf die Universität und wird zur Führungskraft ausgebildet.
In Hamburg fand ich den passenden Studiengang „Bekleidung – Technik und Management“ Neben der naturwissenschaftlichen Grundbildung in Physik, Chemie und Elektrotechnik lernten wir zusätzlich in Werkstätten und Laboren praxisorientiert, wie die Produktion eines Kleidungsstückes von statten geht. Schon damals ging der sehnsüchtige Blick aus dem Fenster. Aber dort hält man sich halt in der Freizeit auf.

In dieser Zeit emanzipierte ich mich von den Vorstellungen, die mein frühes Umfeld mir nahegebracht hatte. Das Praxissemester und die Arbeit als Werksstudentin in einem großen Onlineshop gaben den Inhalten, die ich in der Hochschule lernte, endlich einen praktischen und realen Hintergrund. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon vier Semester studiert. Bis dahin habe ich all den Stoff, den wir lernten, mühsam auswendig lernen müssen. Das Gefühl, dass ich das alles für mich lerne, kam dabei nie auf.
Immer wieder kam der Gedanke auf, dass mir eine Berufsausbildung mit meinem Lernverhalten und meinen Fähigkeiten besser entsprochen hätte. Denn was war denn meine Zukunft? Am Schreibtisch sitzen und anderen Leuten erklären, wie sie Dinge praktisch umzusetzen hätten? Eigentlich nicht das, was ich mir für mich wünschte. Aber nun hatte ich angefangen, also machte ich das auch zu Ende.

Mein Werksstudentenjob zeigte mir immer mehr, dass die Branche, in der ich arbeitete und vorhatte meine Karriere zu beginnen, komplett auf Konsum und Überproduktion ausgelegt war. Firmenziele waren auf stetiges Wachstum ausgelegt.
Ich fühlte mich unwohl mit diesen Zielen und merkte, dass ich diese mit meinen Wertvorstellungen nicht vereinbaren konnte.

Im Sommer 2017 besuchte ich zum ersten Mal eine Freundin auf einer Alp. Aus geplanten sieben Tagen wurden der Wochen, weil es mir dort so gut gefiel. Die Arbeit schien so sinnvoll im Gegensatz zu dem, was in der „Seifenblase Großstadt“ stattfand.
Im selben Winter entschied ich, dass der kommende Sommer für mich in die gleiche Richtung gehen würde – als „Auszeit“ nach dem Studium, redete ich mir ein.

Während ich noch meine Abschlussarbeit für mein Studium verfasste, arbeitete ich bereits in der Landwirtschaft, um vor der Alp genügend Erfahrung zu sammeln.
In diesem Praktikum sowie in der darauffolgenden „Alpzeit“ auf einer Kuhalpe in der Schweiz hatte ich endlich das Gefühl, mein handwerkliches, technisches und naturwissenschaftliches Interesse mit etwas vereinbaren zu können, was mir Spaß macht und was Produkte erzeugt, die Menschen ernähren. Also Produkte, die auf eine sinnvolle Weise verbraucht werden und nicht immer nur mehr und mehr werden. Und ich kann draußen sein, nicht nur in meiner Freizeit.
Im Winter nach der ersten „Alpzeit“ sammelte ich durch Vermittlung auf WWOOF, einem sozialen Netzwerk, das Menschen zusammenbringt, die einen naturverbundenen Lebensstil pflegen, Erfahrung in der italienischen Landwirtschaft. Auf diesem Weg hatte ich in Deutschland, der Schweiz und Italien Einblicke in die Landwirtschaft bekommen.
Diese Erfahrungen waren für mich der Schritt, nach einem zweiten Sommer auf einer Ziegenalpe in der Schweiz, Nägel mit Köpfen zu machen und es zu wagen, mein Wissen zu vertiefen und mit der Berufsausbildung in der Landwirtschaft eine neue Richtung einzuschlagen.
Da ich meine ersten Erfahrungen auf einem Demeterbetrieb mit Milchviehhaltung, Hofkäserei, Gemüse- und Ackerbau in der Nähe von Hamburg sammelte, auf zwei Schweizer Alpen die traditionell-handwerkliche Landwirtschaft kennenlernte und in Italien erneut auf einem biologisch geführten Betrieb arbeitete, entschied ich mich, einen Ausbildungsplatz auf einem bio-zertifizierten Betrieb zu suchen.

Ich absolviere nun mein zweites Lehrjahr als Auszubildende im Beruf Landwirtin auf dem biologisch-dynamisch wirtschaftenden Milchviehbetrieb von Familie Holzapfel auf dem Hofgut Voggenreute in Ingoldingen. Die Landwirtschaft bietet Abwechslung über die Jahreszeiten, ein Leben mit Tieren und der Natur sowie viele Nischen, in denen man sich verwirklichen kann. Wertvolle, gesunde und heimische Nahrungsmittel zu produzieren gibt mir und meiner Arbeit einen Sinn.
„Mit jeder Woche meiner landwirtschaftlichen Tätigkeit, gefüllt von Lernen und praktischem Umsetzen, bin ich überzeugter davon, den richtigen Weg gegangen zu sein und mache mir um meine berufliche Zukunft keine Sorgen“.

Fortbildungsmöglichkeiten im Bereich „Landwirtschaft“
Die Anforderungen an die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter in der Landwirtschaft sind enorm und erfordern ein hohes Maß an Professionalität und fachlicher Vielseitigkeit.
Rund 40.0000 landwirtschaftliche Unternehmen in Baden-Württemberg, in der Mehrzahl nach wie vor als bäuerliche Familienbetriebe geführt, stemmen diese Aufgaben im Haupt- oder Nebenerwerb. Der Spagat zwischen optimaler Produktion und Wirtschaftlichkeit unter sich stetig verändernden Marktbedingungen, zwischen Herzblut für den Betrieb und dem kühlen Kopf für zukunftsweisende betriebliche Entscheidungen, erfordert eine breite Palette an Kompetenzen.

Einen erfolgversprechenden Grundstein für das Weiterlernen auch nach dem erfolgreichen Berufsabschluss zum Landwirt / zur Landwirtin legt die Fachschule für Landwirtschaft in Biberach.
In insgesamt 5 Fachsemestern sowie einem zusätzlichen Prüfungssemester werden die jungen Berufsabsolventinnen und –absolventen zum Abschluss „Landwirtschaftsmeister“ / „Landwirtschaftsmeisterin“ begleitet. Das Angebot der Fachschule Biberach stellt nur eine der vielfältigen Fortbildungsmöglichkeiten in diesem Berufsfeld dar, die von zukünftigen Arbeitgebern wegen Ihres hohen Praxisbezuges sehr geschätzt wird. Mögliche Arbeitsfelder können neben der Leitung eines landwirtschaftlichen Betriebes auch Verwaltungs- und Beratungstätigkeiten in Industrie- und Handel sowie in landwirtschaftlichen Organisationen sein.
Der Besuch der Fachschule kann auch als Sprungbrett für ein mögliches Studium genutzt werden.

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