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Mai 2026

Die „Krauts“ gehen nach Estland, aber das Kraut ist schon da.

Der Begriff „Krauts“ war insbesondere in den USA lange eine scherzhafte Bezeichnung für Deutsche, vermutlich deshalb, weil man den Deutschen nachsagt, eine besondere Vorliebe für Sauerkraut zu haben. Tatsächlich gehört Sauerkraut bis heute zu vielen traditionellen Gerichten der deutschen Küche und gilt aufgrund seiner Fermentation inzwischen sogar als eine Art „Superfood“.
Doch nicht nur Sauerkraut, sondern fermentierte Lebensmittel allgemein erleben derzeit einen regelrechten Boom. Produkte wie Sauerteigbrot, Kefir oder Kimchi liegen besonders bei jungen Menschen im Trend. Aus diesem Grund beschäftigte sich eine Delegation der Matthias-Erzberger-Schule gemeinsam mit ihrer Partnerschule, dem Kadrioru Saksa Gümnaasium, im Rahmen eines Erasmus+-Projekts intensiv mit fermentierten Lebensmitteln.
Bereits kurz nach der Ankunft in Tallinn wurde deutlich, dass Sauerkraut nicht nur in Deutschland, sondern auch in der estnischen Küche eine überraschend wichtige Rolle spielt. Viele traditionelle estnische Gerichte enthalten fermentierten Kohl, weshalb sich der Fokus des Projekts schnell auf dieses gemeinsame kulturelle Erbe verlagerte.
Sauerkraut entsteht durch die Arbeit winziger Helfer: Milchsäurebakterien wandeln den Zucker im Weißkohl in Säuren um. Dadurch entsteht nicht nur der typische Geschmack, sondern auch die lange Haltbarkeit des Produkts. Gerade in Zeiten ohne moderne Kühlmöglichkeiten war dies ein entscheidender Vorteil. Deshalb spielte Sauerkraut sowohl in Deutschland als auch in Estland über viele Jahrhunderte eine wichtige Rolle als Vitamin- und Nährstoffquelle während der langen Wintermonate.
Wie genau das Sauerkraut nach Estland kam, lässt sich historisch nicht eindeutig belegen. Wahrscheinlich spielten jedoch die engen Handels- und Kulturbeziehungen zwischen deutschen Gebieten und dem Baltikum eine wichtige Rolle. Besonders die Hanse verband über Jahrhunderte hinweg Städte des Ostseeraums miteinander. Über diese Handelswege wurden nicht nur Waren transportiert, sondern auch Ernährungsgewohnheiten, Rezepte und kulturelle Traditionen weitergegeben. Da fermentierter Kohl in deutschen Regionen bereits weit verbreitet war und sich Estland gleichzeitig hervorragend für den Kohlanbau eignete, wurde Sauerkraut vermutlich Teil der traditionellen estnischen Küche.
Damit zeigt Sauerkraut auf erstaunlich einfache Weise, wie eng Europa historisch miteinander verbunden war und bis heute ist. Selbst eine scheinbar alltägliche Beilage erzählt von kulturellem Austausch, gemeinsamen Lebensbedingungen und jahrhundertealten Verbindungen zwischen verschiedenen Regionen Europas.
Neben den kulinarischen Gemeinsamkeiten konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Erasmus+-Mobilität aber auch viele neue persönliche Erfahrungen sammeln. Sie erhielten Einblicke in den estnischen Schulalltag, erkundeten die historische Altstadt Tallinns und probierten traditionelle estnische Gerichte. Außerdem durfte die Gruppe bei einem Ausflug nach Helsinki die Wellen und den Wind der Ostsee erleben und auch einen Eindruck von der finnischen Hauptstadt gewinnen.
Nach sechs ereignisreichen Tagen trat die Delegation schließlich die Heimreise an und dabei mit vielen neuen Eindrücken, Souvenirs und Freundschaften im Gepäck. Vermutlich wird nun jeder Teller Sauerkraut auch ein wenig an Estland erinnern.

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